Südgrönland
Im Gegensatz zu Island ist Grönland riesig. Das passende Wort hierfür ist „monumental“. Die Grösse und Weite der Landschaft ist überwältigend. Sie brennt sich für immer in die Seele. Hierfür zahlt man einen hohen Preis: Die Kosten, Anforderungen und Gefahren steigen.
Nanook, Herr des Nordens: Auch wenn es äusserst selten zum Kontakt zwischen Eisbär und Mensch kommt, ist es nicht ausgeschlossen. Seine Heiligkeit wird hier Nanook genannt, die Inuit nennen ihn den Meister der Bären. Vergiss das Jagdgewehr. Die Schädeldicke des Königs ist oft stärker als Patronen. Nutze den Verstand, Bären meiden das Gebirge.
Die Schönheit und Stille sind hier nicht mehr zu übertreffen und Du tauchst in eine fremde, harte und zugleich überwältigende Natur ein. Wir bleiben den Küsten fern, nehmen den Weg durchs Inland, dem Eisschild entlang nach Süden. Dabei werden verschiedene Areale besucht welche spannende und eindrückliche Naturerscheinungen bieten oder aus historischer Sicht einiges zu erzählen haben.
Visionssuche
Medizinwanderungen in Grönland sind nicht vergleichbar mit Island oder Färöer. Sobald man den Flughafen von Narsarsuaq verlässt, befindet man sich in der wilden Natur und somit auf Medizinwanderung. Sie dauert mindestens 21 Tage bevor man wieder Menschen zu Gesicht bekommt.
Gebiete
Die Reise beginnt am Flughafen von Narsarsuaq. Diesen erreicht man via Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Es ist schon ein grosses Glück, wenn man überhaupt nach Narsarsuaq gelangt. Das Wetter ist hier Herr und Meister.
Von da aus geht die Reise per Schnellboot ins nahegelegene Hinterland. Von nun an ist man auf sich und seine Crew gestellt.
Es gibt keine klare Route. Sicher ist das Ziel: Nanortalik. Es befindet sich 70 Luftmeilen von Narsarsuaq entfernt. Luftmeilen – in Wirklichkeit machst Du mehr als das Doppelte.
Packraft
Ein Packraft ist ein aufblasbares Raft, welches leicht und klein am Rucksack Platz findet. Du musst kein Paddel-Experte sein – man wird es durch die Praxis. Es wird benötigt, um die Seen, Flüsse und Fjorde zu überqueren.
Am Rucksack fixiert, wiegt das Packraft inklusive Paddel und Blasbalg etwa 2 Kilogramm. Das Paddel sollte faltbar sein, sodass es mit geringem Packvolumen verstaut werden kann.
Reiseübersicht
Nach einem Tagesmarsch erreicht man den Motzfeldt-See. Er ist ein wichtiger Checkpoint, um sich für den Rest der Reise zu orientieren. Er befindet sich direkt am Rand des grossen Eisschildes. Von nun an kannst Du in Richtung Süden vorankommen. Der Motzfeldt-See bietet die Gelegenheit, das Packraft ausgiebig zu testen und sich mit den nötigsten Sicherheitsregeln zu beschäftigen.
Das Gebiet südlich des Sees ist aus geologischer Sicht einmalig. Hier kommen viele Arten von Mineralien vor, welche man bei uns in Läden teuer erwerben kann. Schade dass Dein Rucksack bereits 23 – 30 Kilo wiegt.
Es geht dem Jespersen Gletscher entlang nach Süden. An dessen Ausläufer wird die karge Gesteinslandschaft von üppigem Grün abgelöst. Mit dem Packraft lässt es sich von nun an gemütlich via Fluss weiter reisen. Das Wort Gemütlich wird in Grönland neu definiert.
In der Nähe von Igaliku bieten sich zwei Möglichkeiten. Entweder mit dem Packraft zurück in die Zivilisation oder weiter übers Gebirge nach Süden.
Die Passage zwischen Igaliku und dem südlichen Klosterdalen Valley ist mühsam und steinig. Dafür sparst Du Dir den Helikopterflug. Die Entscheidung hängt vom Wetter, der Kondition und den gegebenen Umständen ab.
Das Klosterdalen Valley ist unter Bergsteigern weltweit bekannt. Der gewaltige Berg Ketil ragt hier 2.000 Meter aus dem Boden. Hier befinden sich ebenfalls historische Stätten aus längst vergangener Zeit. Wonach die Menschen hier wohl gesucht haben?
Noch bevor man das Tupausaat Hochtal erreicht, lernt man viel über den Begriff „bushwhack“. Es bedeutet, sich über Stunden hinweg durch das üppige Dickicht zu schlagen. Dahinter eröffnet sich einem das schöne Hochtal in Richtung Süden.
Hier befindet sich eine weitere geologische Anomalie: Eine enorme Vielzahl an Mineralien liegen hier verstreut und es gibt einen Felsen, der von den Inuit als Naturgöttin verehrt wird. Ihr Name ist Sedna und sie schenkt dem Meer und den Inuit Leben, Nahrung und Kleidung. Ihre schwarzen Haare fallen über die Felswände in die Tiefen des Tals.
Der Weg führt nun in die sagenumwobene Kangikitsoq Bay wo einst nordische Stämme, Angehörige von Erik dem Roten, gelebt haben. Diese Gegend ist derart surreal und abgeschieden, dass man sie kaum betreten möchte. Doch hat man es einst getan, so bricht man ungern wieder auf.
Von hier aus kann man entweder den Umweg über die Inuitsiedlung Aapilattoq machen, oder sich über das Gebirge ins nach Westen durchschlagen. Eine anspruchsvoller Gebirgssattel wartet darauf, überwunden zu werden.
Sobald man den Südwesten erreicht hat, ist man nur noch wenige Tage von Nanortalik entfernt, wo die Reise endet. Auf dem ganzen Weg gibt es vereinzelt Möglichkeiten, per Satellit die Inuit zu erreichen. Sie können Dich per Schnellboot in die Zivilisation befördern – wenn der Betrag stimmt.